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Zock dich glücklich: Das machen Videospiele mit unserer Psyche

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22.03.2021 - Die Wissenschaft hat herausgefunden, dass Zocken unser Wohlbefinden verbessern kann - doch was macht Gaming genau mit unserer Psyche?

Videospiele machen aggressiv, schränken soziale Kompetenzen ein und führen zur Antriebslosigkeit: Die Vorurteile, die in der Vergangenheit gegenüber Gamern gehegt wurden, ließen die an und für sich vergnüglichen Stunden vor dem Bildschirm häufig in keinem guten Licht dastehen. Nachdem sich die Branche in den zurückliegenden Jahren immer breiter auffächerte und einen größeren Markt denn je erobern konnte, merkten schließlich auch jene Gesellschaftsteile, die gemeinhin nichts mit „Super Mario“, „Call of Duty“ und Co. zu tun haben, dass das regelmäßige Spielen von Videogames nicht automatisch mit einer negativen Charakterentwicklung einhergeht. Sollte sich in eurem Umfeld dennoch jemand befinden, der ausschließlich an die nachteiligen Effekte des Zockens glaubt, solltet ihr ihm den nachfolgenden Artikel zeigen. Tatsächlich wurde in einer Studie der renommierten Oxford Universität ermittelt, dass der Zeitvertreib mit Videospielen mannigfaltige positive Auswirkungen auf unser psychisches Wohlbefinden birgt. Welche Umstände dazu führen, dass wir uns praktisch glücklich zocken können, erklären wir euch jetzt.

Oxford-Studie: Gaming kann zufriedener machen

Während sich vergleichbare Untersuchungen in der Vergangenheit zumeist auf eher ungenaue Statistiken seitens der Publisher stützen mussten, führten die Mitarbeiter der Oxford University eigens eine Studie durch, im Rahmen derer sich die Mitarbeitenden auf reale Spielzeitdaten stützen konnten. Als exemplarische Spiele wurden dabei die beliebten Titel „Animal Crossing: New Horizons“ sowie „Plants vs. Zombies: Battle for Neighborville“ untersucht. Begleitend zur Auswertung der erfassten Spielzeiten wurde den Probanden ein psychologischer Fragebogen an die Hand gegeben, welcher die verbrachte Zeit vor dem Bildschirm mit den Effekten auf das Wohlbefinden der Spieler verknüpfen sollte. Insgesamt beteiligten sich 3274 Gamer an der Studie.

Nach der Auswertung der ermittelten Daten kamen die Verantwortlichen zu einem eindeutigen Ergebnis: Zocken kann glücklich machen! So leiteten die Wissenschaftler ab, dass sich jene Probanden, die täglich rund vier Stunden in dem virtuellen Inselparadies von „Animal Crossing“ verbrachten, nach ihren Bildschirm-Ausflügen deutlich zufriedener und ausgeglichener fühlten als zuvor. Die positiven Effekte des Zockens sind dabei jedoch gewissen Grundvoraussetzungen unterworfen. So sei es essenziell wichtig, dass sich der Spieler aus freien Stücken heraus zum Zocken entschließt. Geht die Gaming-Session mit einem gewissen Druck einher, etwa dem Gefühl, im entsprechenden Titel unbedingt weiterkommen zu müssen, oder der Angst, ein wichtiges Event zu verpassen, wird auch das anschließende Gefühl der Zufriedenheit geschmälert. Da die Wissenschaftler der britischen Universität jenen kausalen Zusammenhang lediglich an zwei von Abertausenden verfügbaren Titeln untersuchten, wiesen sie explizit darauf hin, dass sich die Ergebnisse der Studie nicht unbedingt auf jedes andere Spiel übertragen ließen.

Gelebte Kreativität und verbessertes räumliches Denkvermögen vs. Suchtgefahr

Bedeutet dies nun, dass uns Online Casinos, Multiplayer-Shooter, kompetitive Sportspiele und Singleplayer-Story-Games automatisch psychisch auslaugen? Selbst verständlich nicht. Aber: Wie so häufig, besitzt auch diese Medaille zwei unterschiedliche Seiten. Allgemein sind sich die Experten dahingehend einig, dass uns das virtuelle Eintauchen in fantastische Welten in einigen weiteren Aspekten zugutekommt. So können die individuelle Aufmerksamkeitsspanne sowie die Wahrnehmungsfähigkeit durch das Zocken erweitert und geschult werden. Auch unsere kognitiven Fähigkeiten und das räumliche Denkvermögen profitieren von der spaßbringenden Zeit vor dem Bildschirm. Spiele wie Minecraft, in denen die Gamer ihrer Fantasie freien Lauf lassen können, fördern zudem die Kreativität. Und nicht zuletzt: Videospiele verbinden! Demnach fördern besonders Online-Multiplayer-Games soziale Aspekte, sodass in den begleitenden Voice-Chats schon so manche Freundschaft geschlossen wurde, die auch über die virtuelle Welt hinaus Bestand hat.

An dieser Stelle möchten wir jedoch die potenziellen Gefahren des Zockens nicht außer Acht lassen. Diese drohen nämlich immer dann, wenn das Maß des Gesunden überschritten wird. Tatsächlich sollten die negativen Effekte einer ausgeprägten Videospielsucht nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Kann sich der Spieler erst einmal nicht mehr vom Bildschirm loseisen, so hat dies weitreichende Auswirkungen auf viele andere wichtige Bereiche seines Alltags. So werden in schweren Fällen mitunter soziale Kontakte und berufliche Verpflichtungen vernachlässigt. Zudem wirkt sich das blaue Licht, dass von unseren Screens ausgeschüttet wird, schlecht auf die Qualität unseres Schlafes aus, da es die Freisetzung des Einschlaf-Hormons Melatonin blockiert. Dies gilt selbstredend nicht nur für Fernseher und Computerdisplays, sondern auch für Smartphones, Laptops und Co. Der für die öffentliche Berichterstattung wichtigste Aspekt in der Riege der negativen Folgen von Gaming liegt allerdings seit jeher im vermeintlichen Zusammenhang zwischen dem Spielen von Ego-Shootern und einer erhöhten Aggressivität bzw. Gewaltbereitschaft des Spielers. Obwohl auf den verschiedensten Portalen oft bemüht, ist die kausale Verbindung zwischen Gewalt in Computerspielen und feindseligem Verhalten der Gamer wissenschaftlich nie eindeutig belegt worden.

  • Quelle: Redaktion

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