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Loot Boxes - Spielüberraschungen oder wirklich nur ein Glücksspiel?

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17.12.2020 - Wer mag nicht Überraschungen? Wir freuen uns oft darüber, Geschenke auszupacken, in der Hoffnung, dass das, was drin ist, etwas ist, wonach wir uns schon lange gesehnt haben. Jetzt zu Weihnachten mehr denn je. Selbst wenn der geoffenbarte Gegenstand enttäuschend ist, können wir immer noch den Nervenkitzel genießen, ihn zu öffnen.

Kein Wunder also, dass Videospiel-Loot Boxen bei den Spielern so sehr beliebt geworden sind, dass sich mittlerweile selbst die Politik mit ihnen befassen muss. Diejenigen, die mit Loot Boxes weniger vertraut sind, werden sich vielleicht wundern: Warum sind sie so beliebt, und warum sollten wir uns Sorgen machen? Ein Blick auf den Markt verrät die Antwort.

Was genau sind Loot Boxes?

Loot Boxes sind virtuelle Gegenstände, die eingelöst werden können, um eine zufällige Auswahl zusätzlicher virtueller Gegenstände zu erhalten. In einigen Fällen sind sie kostenlos. In anderen Fällen können Loot Boxes ein sehr lukrativer Monetarisierungsmechanismus sein. Diese zufälligen Mengen virtueller Gegenstände können von ästhetischen Gegenständen, die etwas im Spiel gut aussehen lassen (z.B. eine visuelle Anpassung für den Avatar oder die Waffen eines Spielers), bis hin zu funktionalen Gegenständen reichen, die die Leistung im Spiel verbessern (sei es Waffen, Power-Ups, Kräfte und Co). Auf die Loot Boxes kann auf verschiedene Weise "zugegriffen" werden, z.B. indem man sich den Zugang im Spiel verschafft oder einen "Schlüssel" mit virtueller Währung oder realem Geld kauft, um sie freizuschalten. Wie man sieht, gibt es viele Wege zu ihnen. Und nicht alle sind immer gern gesehen. Im Gegenteil.

Die mobile Spielszene nimmt stetig zu

Seit den Tagen von "Snake" auf dem legendären Nokia 3210 hat sich das Mobile Gaming zu einer Multimillionen-Dollar-Industrie entwickelt, die die PC- und Konsolenspielindustrie übertrifft. Das liegt zum Teil daran, dass die Spieleentwickler ein praktikables Einnahme-Modell gefunden haben – das etwas klobig ausgedrückte Freemium-Modell. Dieses Modell bietet das Spiel kostenlos an, bietet aber auch die Möglichkeit, virtuelle Gegenstände wie Loot Boxes zu erwerben. Auf diese Weise können Unternehmen zahlende Spieler anziehen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten und Gewinne zu erzielen, während sie gleichzeitig genügend nicht zahlende Spieler gewinnen, um eine ausreichend große Spielerbasis zu erhalten. Nachforschungen haben ergeben, dass zahlende Spieler zwar nur eine sehr kleine Gruppe der gesamten Spielerpopulation sind, dafür jedoch auch unverhältnismäßig mehr ausgeben.

Impulsiver Kauf

Es ist daher keine Überraschungen, dass Casino Spiele und Loot Boxes häufig Hand in Hand erwähnt werden, weil sie beide einen ähnlichen Glücksfaktor haben, was dem Spiel immer wieder eine neue Wendung geben kann. Besonders die Tatsache, dass Spiele dadurch ein wenig willkürlich werden, hat Fans und Kritiker zugleich. Darüber hinaus machen Spielefirmen oft Ankündigungen im Spiel, wenn ein Spieler erfolgreich seltene Gegenstände aus Loot Boxes erhält. Dies kann andere Spieler dazu verleiten, zu glauben, dass sie genauso viel Glück haben könnten. In Verbindung mit dem Wettbewerbscharakter von Handy-Spielen kann es für die Spieler schwierig sein, Loot Boxes zu widerstehen. Auch wenn wir vielleicht denken, dass die meisten unserer Kaufentscheidungen nach sorgfältiger Überlegung rational getroffen werden, zeigen Untersuchungen, dass Menschen oft schlechte Kaufentscheidungen gegen ihr Eigeninteresse treffen, nur um die Entscheidung unmittelbar danach zu bereuen.

Dies deutet darauf hin, dass Spieler mit bestimmten psychologischen Eigenschaften (wie etwa geringe Selbstkontrolle) oft sehr anfällig für die Verlockung von Loot Boxes sein können, was vielleicht der Grund dafür ist, dass die Spieler, die Geld ausgeben, nur einen sehr kleinen Teil der gesamten Spielerbasis ausmachen, aber dennoch genug ausgeben, damit Spielunternehmen davon nachhaltig profitieren können.

Darüber hinaus gibt es Hinweise darauf, dass selbst Personen mit hoher Selbstkontrolle immer mal wieder Impulskäufe tätigen. Forscher bieten dafür eine Erklärung an: Die Bewältigung von Stresssituationen im Leben kann die Selbstkontrolle vorübergehend herabsetzen, wodurch man anfälliger für Impulskäufe wird. Das zeigt, dass über die Faktoren des Spieldesigns hinaus externe Situationen im wirklichen Leben in der Hitze des Gefechts Kaufentscheidungen auslösen können.

Ein Blick voraus

So weit so gut, also. Doch was wird die Zukunft bringen? Denn die großen Spieleentwickler haben bereits verkünden lassen, dass sie das Spielkonzept der Loot Boxes nicht einfach aufgeben werden, nur weil sich mehr und mehr Widerstand in der Gesellschaft bildet. Sofern aber die Gegebenheiten klarer definiert sind, sodass Spieler nicht mehr so leicht verleitet werden, sollte man anerkennen, dass Loot Boxes ein fester Teil der modernen Gaming-Kultur geworden sind.

  • Quelle: Redaktion

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