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Nachgeholfen: Pros und Cons des Cheatens

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13.07.2020 - Cheating ist, simpel ausgedrückt, verpönt. Der Vorwurf, ein Cheater zu sein, hat einen regelrecht ehrrührigen Charakter. Dennoch: Glasklar schwarz und weiß ist auch dieser Aspekt nicht. Denn gäbe es nur Nachteile, würde niemand cheaten. Tatsächlich hat die Sache auch Vorteile - vielleicht nicht unbedingt moralischer Natur, aber definitiv spielerischer.

Manchmal ist es schlicht vorgesehen

Cheaten wird häufig als etwas angesehen, mit dem sich jemand einen unbotmäßigen Vorteil verschafft – unter Einsatz speziell entwickelter Tools, beispielsweise. Doch so richtig diese Denkweise vielfach sein mag, darfst du eines nicht vergessen: Seit den Anfangstagen des Videospielens werden Cheats auch von den Programmierern fest integriert.

Schon 1985 tat es der Anfang 2020 viel zu früh verstorbene Kazuhisa Hashimoto. Er war maßgeblich für das Design des NES-Spiels Gradius verantwortlich und befand, dass das Game arg schwer geraten war – also programmierte er den später als „Konami Code“ berühmt gewordenen Cheat ein: Hoch, hoch, runter, runter, links, rechts, links, rechts, B, A, Start.

Unzählige Entwickler taten es ihm gleich und programmierten ähnliche Cheatmöglichkeiten in ihre Spiele. Damit wird das Cheaten, zumindest in diesen Fällen, nicht zur unfairen Ausnahme, sondern zur vorgesehenen, angebotenen Möglichkeit – dass die Codes nicht gerade an die große Glocke gehängt werden, tut dem keinen Abbruch. Anders formuliert: Wenn du fest in einem Game vorhandene Cheatcodes nutzt, ergreifst du nur eine Option, welche dir die Designer in voller Absicht einräumen.

Nicht jedes Spiel enthält Cheat-Codes

Speziell in jüngerer Zeit, in der nur wenige Spiele gänzlich ohne Internetanbindung funktionieren, wird es auch immer seltener, dass breit verfügbare Tools kursieren – bis deren Verwendung aufgedeckt wird, vergehen oftmals nur Tage. Dann braucht es nur noch ein Patch und ein in hunderten Stunden aufwendig programmiertes Helferlein ist nur noch Digitalmüll.

Ein Beispiel dafür ist World of Warships. Früher gab es dort Probleme mit einem Aim-Assist. Das Programm nutzte die Torpedo-Zielfunktion der Zerstörer aus, um bei allen Schiffsklassen das Zielen der Kanonen zu automatisieren. Wargaming.net erkannte das Problem, behob es in Patches und die Programme wurden nutzlos.

Nahezu unmöglich ist dies auch in der Welt des digitalen Glücksspiels. Hier sind die Slot-Machines mit hochkomplexen Algorithmen abgesichert, die dafür Sorge tragen, dass tatsächlich nur zufällige Symbole und dergleichen angezeigt werden. Und diese Vorgehensweise wird immer größer. Es braucht vielerorts nicht einmal mehr Helfer im Stil von PunkBuster, die Cheatprogramme aufdecken – es genügt bereits, dass die Spielalgorithmen immer komplizierter werden und vieles nur noch mit Netzanbindung funktioniert. Dadurch wird das Erstellen von unbotmäßigen Tools so schwer und das Enttarnungsrisiko so groß, dass es sich kaum noch lohnt, streckenweise auch unmöglich geworden ist.

Das sollte dir auch einen Hinweis geben: Sei bei Tools, die dir für moderne Spiele im Netz angeboten werden, speziell wenn sie Geld kosten, enorm vorsichtig. Das Risiko ist groß, dass du nur Geld verlierst und/oder Schadsoftware installierst.

PRO: Ein Ende der Frustkurve

Vielfach werden Cheater dargestellt, als würden sie ausschließlich Cheats nutzen und gar nicht auf normale Weise spielen. Allerdings dürfte das (darauf deutet auch eine wissenschaftliche Forschungsarbeit hin) nur eine Minderheit sein. Der Großteil der Spieler, vor allem im Einzelspielerbereich, nutzt Cheats aus einem simplen Grund: Um ein unüberwindbares Hindernis in der Story zu meistern.

Frag dich selbst: Hast du noch nie in irgendeinem Spiel an einer bestimmten Stelle Stunden, vielleicht sogar Tage verbracht, weil du einfach nicht weiterkamst? Und wie fühlte sich das an? War noch Spielspaß vorhanden, noch Lust, diese harte Nuss zu knacken? Oder warst du einfach nur noch genervt und wolltest vorankommen?

Wahrscheinlich wird letzteres der Fall gewesen sein. An diesem Punkt musst du den Vorteil im Cheat sehen. Er beendet die Frustkurve radikal, sorgt wieder für Spaß am Spiel – auch wenn das gute Gefühl, die schwierige Stelle selbst geschafft zu haben, auf der Strecke bleibt. Das bringt uns auch zu einem weiteren Nachteil:

CONTRA: Ein Schaden für das Spielerlebnis

22 Jahre ist es nun her, dass Blizzard den ersten Teil der StarCraft-Saga herausbrachte. Eines der mit Abstand erfolgreichsten Strategiespiele aller Zeiten und trotz Teil 2 nicht bloß in Südkorea nach wie vor einer der wichtigsten Triebmotoren im E-Sport – vor allem, weil zwischen Zerg, Protoss und Terranern eine so perfekte Kräftebalance herrscht. Dass Blizzard 2017, also 19 Jahre nach dem Release, eine Remastered-Version herausbrachte, sollte zeigen, wie groß nach wie vor die Fanbase ist.  

Doch gerade dieses Spiel zeigt besonders deutlich, um was sich Cheater in spielerischer Hinsicht vielfach bringen. Natürlich mag es einfach sein, gleich zu Beginn einer Mission die Enter-Taste zu drücken, mit black sheep wall die Karte aufzudecken, sich mit show me the money je 10.000 Einheiten Gas und Mineralien zu gönnen und die Base auszubauen. Und wenn der Gegner überraschend früh und/oder stark anrückt, mag power overwhelming als Unverwundbarkeits-Cheat nicht nur Rettung, sondern auch spaßig anzusehen sein – wenn sich ein Dutzend Zerglinge an einem SCV die Zähne ausbeißen.

Bloß: Das wird rasend schnell langweilig. Bei den meisten Spielen, nicht nur StarCraft. Und es gilt nicht nur für das aktuelle Match, sondern das Spiel per se. Denn das gewinnt einen Gutteil seines Spaßfaktors natürlich auch aus der Kniffligkeit, sich hochzuarbeiten, die Schwierigkeiten zu überwinden, sei es hinsichtlich der Fähigkeiten oder der Ausrüstung.

Wenn du im ersten Level (oder zu Matchbeginn) schon loslegen kannst wie in den höchsten Spielstufen, bist du zwar immer der Gewinner. Das mag für den Moment verlockend sein, aber mittelfristig verdirbt es dir ein Spiel – und sei es nur deshalb, weil du schon zu früh gesehen hast, was später möglich sein wird. Aber:

PRO: Manchmal ein riesiger Spaß

Spiele werden nicht immer so gespielt, wie von den Entwicklern vorgesehen. Denk an die hocherfolgreiche GTA-Reihe, in der du dank der offenen Struktur beispielsweise auch einfach gegen die Uhr Autorennen durch die Stadt fahren könntest, statt Missionen zu machen – selbst, wenn alle Quests und dergleichen bereits abgehakt sind.

Wenn du das verstehst, verstehst du auch, warum Cheaten manchmal auch einfach nur ganz simplen Spaß bedeutet. Du lädst dich mit Waffen voll, machst dich unverwundbar – egal was. Und dann legst du einfach los. In diesem Sinne kann Cheaten, nicht nur, aber speziell, wenn du das Spiel längst auf normalem Weg gemeistert hast, die Leidenschaft an einem Game nochmal völlig neu entfachen. Dabei solltest du auch an Speedruns denken. Also die Jagd danach, ein Game in möglichst schneller Zeit durchzuspielen – ein mittlerweile gigantischer Seitenarm der Gamingszene mit eigenen Ligen und großer Fangemeinde.

Zusammengefasst kannst du für dieses Kapitel festhalten, dass Cheaten es dir ermöglicht, in einem Spiel herumzuexperimentieren, es dadurch neu, anders kennenzulernen und Spaß in einer Weise zu haben, die ursprünglich nicht vorgesehen war.

CONTRA: Gift für ein Spiel und seinen Ruf

Dieser Punkt gilt vor allem für Multiplayer-Spiele. Aber er findet auch bei Singleplayer-Games mit und ohne Onlineanbindung seine Anwendung. Stell dir dazu einfach folgendes vor: Würdest du noch deine Lieblingssportart anschauen, wenn von dieser bekannt wäre, dass hier im höchsten Maß gedopt wird und nur derjenige gewinnt, der das beste, teuerste Doping hat? Vermutlich nicht.

Eins zu Eins sieht es auch beim Gaming aus. Stell dir einmal vor, dass ein Entwickler zigtausende Stunden und vielleicht Millionen Dollars/Euros in ein Spiel investiert. Er absolviert Testphasen, schaltet teure Werbung – und dann kommen Cheater. Im Nu hat dieses aufwendig und kostspielig produzierte Game den Ruf, ein Tummelplatz für Mogler zu sein. Das würde nicht nur den Ruf ruinieren. Kaum einer würde das Spiel mehr kaufen, es wäre für E-Sports „verbrannt“, die Tester würden es zerreißen.

Das kann soweit gehen, dass es ein Entwicklerstudio in den Ruin treibt. Damit wird dann Cheaten in nur einem Spiel zum Nachteil für die gesamte Branche, weil die Vielfalt massiv leidet. Übrig bleiben nur die ganz großen „Fische“ in diesem Teich, die es sich leisten können, besonders umfangreiche Schutzmaßnahmen zu implementieren. Die kleinen unabhängigen Studios können das nicht – und gehen unter.

Zusammengefasst

Du hast es in der Hand. Denn nur du als Spieler kannst für dich entscheiden, wie du Cheaten ansehen möchtest. Nutzt du nur einen Code, der sowieso im Spiel integriert ist? Dann ist es nur etwas, das du mit dir allein ausmachen musst. Aber wenn du darüber hinaus von Dritten erstellte Tools nutzt, sie auch im Multiplayermodus anwendest, wird daraus mehr als ein bloß moralisches Dilemma. Es bleibt deshalb Abwägungssache – aber nichts, über das du ohne weiteren Gedanken ein Urteil fällen solltest.

  • Quelle: Redaktion

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