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Doping im E-Sport - Gefahren, Hintergründe und Probleme

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24.02.2021 - Der Gebrauch von leistungssteigernden Substanzen macht auch vor der Welt des E-Sports nicht Halt - wir beleuchten für euch die Hintergründe und die Gefahren dieser Problematik.

Während sich die Casual-Gamer auf unserem Globus an Spielautomaten, in packenden Singleplayer-Titeln oder auf den virtuellen Schauplätzen von Multiplayer-Spielen unbeschwert ihrem Spielspaß hingeben können, gelten in der Welt des E-Sports seit jeher ganz andere Gesetze. Dort, wo leistungsorientierte Performances und die Jagd nach Titeln an der Tagesordnung stehen, existiert naturgemäß auch der Druck, mit den Auftritten der Konkurrenz schritthalten zu müssen. Wie in anderen Leistungssportarten, neigen daher auch einzelne E-Sportler dazu, ihr Potenzial durch den Gebrauch von illegalen Mitteln in ungeahnte Höhen zu pushen. Im Detail unterscheiden sich die genutzten Dopingmittel dabei jedoch deutlich von jenen Substanzen, die in den Reihen des konservativen Profisports konsumiert werden. Während Radfahrer, Bodybuilder und Leichtathleten zu jenen Mittelchen greifen, die ihren Körper schneller, stärker und ausdauernder machen, steht in der E-Sport-Szene der Wunsch nach erhöhter Konzentrations- und Reaktionsgeschwindigkeit im Mittelpunkt.

Das Doping-Problem der Szene

Dass die E-Sport-Szene ein Problem mit Doping hat, wurde spätestens im Jahr 2015 publik. Damals gestand der ehemalige Counter-Strike-Profi Kory „Semphis“ Friesen offen den Konsum des Medikaments Adderall. Normalerweise wird die Arznei bei der Behandlung von ADHS eingesetzt und hilft den Patienten, Konzentrationsschwächen zu lindern. So erzählte der Kanadier im Rahmen eines Interviews, das verschreibungspflichtige Mittel, das ähnlich wie Ritalin wirkt, zusammen mit seinen Teammitgliedern im Laufe eines Turniers konsumiert zu haben, um Ermüdung vorzubeugen und das Konzentrationslevel stets hochzuhalten.

Zu Beginn des Jahres 2020 beichtete der Ex-Profi Adam „KiLLa“ Sloss ebenfalls, regelmäßig zu Adderall gegriffen zu haben. Überdies erzählte der US-Amerikaner, dass der Missbrauch des Medikaments vor allem in der nordamerikanischen Call-of-Duty-Szene stark verbreitet sei. Ferner stellte Adam Sloss den Dopingkonsum als offenes Geheimnis der Branche dar, welches stillschweigend akzeptiert würde. Inwieweit das Doping-Problem in der deutschen E-Sport-Szene existiert, ist indes noch ein großes Rätsel. Zwar ist der Missbrauch von illegalen, leistungssteigernden Substanzen auch hierzulande verboten, im Falle des E-Sports liegt der Teufel jedoch im Detail. Denn tatsächlich bezieht sich das deutsche Anti-Doping-Gesetz (ADG) ausdrücklich auf jene Felder, die dem übergeordneten Bereich „Sport“ zugeordnet werden. Diesen Status besitzt der E-Sport hierzulande jedoch nicht, weshalb Doping-Verstöße zumindest juristisch nicht durch das ADG geahndet werden können.

Uneinigkeit und fehlende einheitliche Regelungen

Die Regulierung der verbotenen Dopingmittel erfolgt in Deutschland daher hauptsächlich durch das allgemeingültige Betäubungsmittelgesetz sowie durch die individuellen Regelungen der einzelnen Veranstalter. Doch auch hier zeigt sich schnell, wie kompliziert die Thematik angesichts einiger Grauzonen und Gesetzeslücken erscheint. Beispielsweise ist der Besitz von Amphetamin, einem Hauptbestandteil von Adderall, verboten, der Konsum hingegen nicht. Das Betäubungsmittelgesetz nahtlos auf die Welt der deutschen E-Sport-Szene zu übertragen, funktioniert daher nicht ohne Komplikationen. Noch wichtiger sind daher die Regelwerke der privaten Veranstalter. Diese ahnden nachgewiesene Doping-Missbräuche beispielsweise durch dauerhafte Sperren, finanzielle Sanktionen und der Aberkennung von Titeln. Doch welche Mittel zählen im E-Sport überhaupt zum Doping?

Auch diese Frage lässt sich nicht so leicht beantworten, da hier keine einheitlichen Regelungen existieren. Einige Veranstalter orientieren sich dabei an der Verbotsliste der Nationalen Anti-Doping-Agentur. Das große Problem: Die hier aufgeführten verbotenen Mittel dienen hauptsächlich der körperlichen Kraftsteigerung der Konsumenten und fokussieren sich weniger auf Substanzen, welche die Konzentration fördern oder Ermüdung vorbeugen. Um den Kampf gegen Doping in die Welt des E-Sports zu adaptieren, gründeten einige Veranstalter die Esports Integrity Commission und entwarfen eine eigene Verbotsliste. Jedoch sollte hier angemerkt sein, dass dieses Dokument bereits seit mehreren Jahren unverändert existiert und gerade einmal sieben Substanzen aufführt.

Die gesundheitlichen Gefahren des Dopings

Abseits der mitunter unfairen Wettbewerbsvorteile, die sich gedopte E-Sportler erschleichen, warnen Ärzte auch vor den verheerenden Nebenwirkungen, die der Konsum von Amphetaminen und anderen illegalen Rauschmitteln mit sich bringt. Demnach besitzen besonders Amphetamine, die umgangssprachlich auch als „Speed“ oder „Pep“ bezeichnet werden, ein nicht zu unterschätzendes Suchtpotential. Die Gefahr, dass die E-Sportler schließlich auch außerhalb der virtuellen Wettkämpfe zur aufputschenden Substanz greifen, darf also auf keinen Fall außer Acht gelassen werden. Die euphorischen, aufmunternden Effekte weichen dabei schnell schweren Nebenwirkungen. Diese reichen von Schlafstörungen über nervöse Zustände bis hin zu Panikattacken. Da die entsprechenden Substanzen in der Regel nicht frei verkäuflich sind, müssen diese über Umwege auf dem Schwarzmarkt erworben werden. Wie im Falle aller anderen illegalen Drogen, besteht auch hier die Problematik, dass die entsprechenden Stoffe hinsichtlich ihrer chemischen Reinheit nicht ausreichend kontrolliert werden können und mitunter noch gesundheitsschädigende Effekte nach sich ziehen, als sie dies ohnehin schon tun.

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