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Suchtgefahr: Sind Lootboxen wirklich so problematisch?

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05.07.2019 - Star Wars: Battlefront II hat bei seinem Erscheinen für mächtig Wirbel gesorgt. Es ging aber weniger um den Singleplayer oder einen besonders krassen Ressourcenhunger des Spiels. Was für die Community zum Aufreger wurde, waren die Lootboxen. Letztere haben nicht nur eine ernsthafte Debatte darum angestoßen, was aus Vollpreistiteln in den letzten Jahren geworden ist.

Inzwischen mischen sich beim Thema Lootboxing auch Behörden ein, welche für die Regulierung von Glücksspiel zuständig sind. Lott Crates als Suchtfaktor – so oder ähnlich lautet deren Tenor. Dabei ist erstaunlich, dass die massive Kritik nur aus einigen Ländern kommt. Ist das Thema also eigentlich gar nicht so dramatisch? Oder haben andere Regulierer die Tragweite der Lootboxen einfach nicht erkannt?

Lootboxen: Zwischen Pay2Win und Kosmetik

Im Casino Platz nehmen, alles auf eine Zahl setzen und die Kugel in den Roulettekessel schmeißen und Daumen drücken – mit diesem Grundprinzip vergleichen manche Kritiker Lootboxen. Also einfach gleich auf Nachgefragt ein Online Casino heraussuchen und Geld einzahlen?

Das Thema Lootbox wird in einer aufgeheizten Stimmung diskutiert. Es ist durchaus an der Zeit, etwas Dampf aus dem Kessel zu lassen. Denn Lootbox ist nicht gleich Lootbox. Wer keine Ahnung davon hat, hier eine kurze Erklärung:

Beuteboxen sind beinhalten virtuelle Items für Spiele. Meist handelt es sich um:

  • Waffen
  • Coins
  • Rüstungen
  • Booster.

Wo liegt das Problem? Sofern es sich um Gegenstände/Boxen handelt, die mit In-Game-Währung erworben oder im Spiel gecraftet werden können, ist das Ganze ausgeglichen. Allerdings sind einige Publisher dazu übergegangen, Lootboxen mit epischen Gegenständen zu füllen. Und diese verleihen einen unfairen Vorteil – sprich es geht um Pay2Win.

Gerade bei Vollpreistiteln ein echtes Ärgernis für Spieler. Der Preis für die Boxen ist Kritikpunkt Nummer 2. Vollpreisspiele kosten ab 40 Euro bis 50 Euro aufwärts. Über die Lootboxen Geld hinterherzuschmeißen heißt, schnell noch einmal die gleiche Summe auszugeben.

Sind Lootboxen Glücksspiel?

Gamer stehen auf der einen Seite, Publisher (die mit ihren Spielen Geld verdienen wollen) auf der anderen Seite. Und was kommt dazwischen? Lange Zeit nichts mehr, langsam werden auch Behörden auf das Thema aufmerksam. Unterstützung erhalten sie von einigen Wissenschaftlern, welche das System für fragwürdig halten. Deren Argumentation: Lootboxen sind unter bestimmten Voraussetzungen Glücksspiel, wenn sie:

  • für Echtgeld erworben werden
  • zufällige Items beinhalten
  • einen Spielvorteil verschaffen.

In Tests haben einige sehr bekannte Titel – so das Magazin Spektrum – in den Augen der Psychologen bedenkliche Tendenzen gezeigt.

Wie drastisch Behörden inzwischen mit dem Thema umgehen, zeigt der Streit zwischen der belgischen Gaming Commission und dem FIFA-Publisher EA. Hier untersagte die Behörde den Einsatz der Boxen, EA wollte diese trotzdem anbieten. Hätte das Unternehmen nicht eingelenkt, wäre es vielleicht sogar zu einem Verfahren gekommen.

Die Betrachtung der Loot Crates als Glücksspiel hat eine Konsequenz: Lootboxen sind – wenn die Argumentation konsequent zu Ende gedacht wird, ein Suchtfaktor. Insofern ist die Forderung, solche Spiele erst ab 18 Jahre freizugeben, folgerichtig. Für die Publisher wäre so etwas zwar PR, allerdings von Standpunkt der Reichweite gesehen ein Desaster. Viele Triple-A Titel werden in der Altersgruppe 14 – 18 Jahre gespielt.

Lootboxen: Wann sind sie kein Thema

Für einige Spiele kocht das Thema Lootboxing immer wieder hoch. In anderen Titel sind diese Boxen an jeder Ecke zu finden – es kräht aber am Ende kein Hahn danach. Wie ist diese Entwicklung zu erklären? Viele Publisher und Entwickler haben die Debatte aufmerksam verfolgt. Und ziehen Lehren daraus.

Boxen werden nicht mehr gegen Echtgeld, sondern nur noch gegen In-Game-Währung oder als Belohnung für Bosskämpfe angeboten. Durch diesen Trick wird der Debatte viel Wind aus den Segeln genommen. Außerdem ist eine beliebte Methode, in den Boxen nur noch kosmetische Items zu verstecken – oder diese als Belohnungssystem für tägliche Anmeldungen einzuführen.

Um spezielle Waffen oder Fahrzeuge zu bekommen, wird dann konsequent eine Micro-Payment-Strategie umgesetzt. Dass diese funktioniert, zeigen viele Free2Play-Titel, deren Entwickler ausschließlich davon leben, solche Gameitems zu verkaufen. Beispielsweise ist es möglich, mit Premiumfahrzeugen wie in War Thunder sehr viel schneller Erfahrung zu sammeln.

Fazit: Lootboxen erhitzen nicht nur die Gemüter

Lootboxen kaufen, ohne zu wissen was sich darin verbirgt? Vor Jahren undenkbar, ist diese Methode inzwischen bei vielen Publishern angekommen. Das Problem: Die Boxen werden von Psychologen und einigen Behörden als kritisch eingestuft. Dafür müssen allerdings einige Bedingungen – wie Vorteile durch die Items und Echtgeld-Käufe – erfüllt sein. Eigenschaften, welche nicht auf jede Lootbox zutreffen. Was auch erklärt, dass nicht alle Publisher sich einem Shitstorm ausgesetzt sehen.

  • Quelle: Redaktion

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