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(08.08.2008) GamesSphere Redaktion:

Drakensang: Verschwörung in Ferdok - Das Interview
 - Im Gespräch mit Stefan Blanck, einer der Entwickler von Drakensang

Drakensang sorgt derzeit für die Renaissance der Oldschool-Rollenspiele auf dem PC. Aber auch Fans von Browser-RPGs bekommen neues Futter. Wir Haben mit Stefan Blanck, seines Zeichens Entwickler und DSA-Storyschreiber bei Chromatix, gesprochen.

 
GamesSphere: Schönen guten Tag Stefan. Bisher hatten wir noch nicht das Vergnügen ein Interview miteinander zu führen. Stelle dich doch bitte unseren Lesern kurz vor.

Stefan: Ich bin verheiratet und habe 3 Kinder. Was Computerspiele im Allgemeinen und Rollenspiele im Besonderen angeht, bin ich schon ein alter Hase.
Kurzer Abriss: Mein erstes Computerspiel war selbstverständlich Pong. Das spielte ich 1974 im Alter von 11 Jahren auf einer Konsole von Universum. Das gab es damals beim Otto-Versand.
1977 kaufte ich mir einen programmierbaren Taschenrechner von Texas Instruments und begann, darauf Computerspiele zu programmieren.
1985 gründete ich mein erstes Entwicklungsstudio und vertrieb mit einigen Leuten mehrere Spiele für den Atari ST, später auch den Amiga.
1988 stieß ich dann auf Das Schwarze Auge als Pen&Paper-Rollenspiel und damit begann meine innige Beschäftigung mit DSA, die mich bis heute begleitet.
Von mir stammen die DSA-Tools und später DSA-Tools Deluxe, eine Hilfe für Spieler und Spielleiter, ich arbeitete an der Nordlandtrilogie mit und später noch an weiteren DSA-Computerspielen, die leider nicht alle das Licht der Welt erblickten.
Deshalb freut es mich umso mehr, dass jetzt das wundervolle Drakensang erschienen ist. Die DSA-Lizenz für Computerspiele liegt bei unserem Unternehmen, der Chromatrix. Bereits seit 2001 war zwischen Radon Labs und mir klar, dass wir das unbedingt machen wollten.
Zu Drakensang habe ich mit drei weiteren Autoren die Story geschrieben.


GamesSphere: Wie seid Ihr auf die Idee gekommen ein DSA-Browserspiel zu entwickeln?

Stefan: Da muss ich ein wenig ausholen: Ich hatte 2002 gemeinsam mit elkware begonnen, DSA-Soloabenteuer für Handys zu entwickeln. Zuerst planten wir, vier Abenteuer zu veröffentlichen. Die schlugen dann im Sommer 2003 wie eine Bombe ein und waren so erfolgreich, dass wir beschlossen, die Reihe fortzusetzen.
Bis zum Herbst 2005 wuchs die Serie dann auf insgesamt 15 Soloabenteuer.
Elkware wurde an das amerikanische Unternehmen Infospace verkauft und letztere beschlossen im vergangenen Jahr, den Mobile Markt aufzugeben. Von einem Tag auf den anderen - und nebenbei bemerkt: Ohne uns darüber in Kenntnis zu setzen - schalteten sie die Server ab. Das hat uns selbstverständlich mächtig geärgert.
Mit aus diesem Grund heraus habe ich die Entscheidung getroffen, die DSA-Soloabenteuer als Browsergames zu veröffentlichen.
Der Vorteil ist: Man braucht keinen großen Publisher dazu.

GamesSphere: Welchen Erfolg erwartest Du persönlich von Verschwörung in Ferdok?

Stefan: Verschwörung in Ferdok ist ja nur der Auftakt zu einer Reihe von DSA-Soloabenteuern. Zusätzlich zu dem unmittelbar anschließenden zweiten Teil mit dem Titel "Todespfad" werden wir in diesem Jahr noch 15 weitere DSA-Soloabenteuer als Browserspiel veröffentlichen.
Dabei handelt es sich um die Abenteuer, die schon für Handys erschienen sind, die wir aber noch einmal einer inhaltlichen Bearbeitung unterziehen.

GamesSphere: Dem Spieler stehen mehrere Rassen sowie Klassen zur Auswahl. Was sind die Unterschiede dieser Rassen und wie wirken sie sich auf das Gameplay und den Storyverlauf aus?

Stefan: Bei DSA bezeichnen wir diese bereitstehenden Charaktere als Archetypen.
Sie unterscheiden sich mit ihren Werten bei den Eigenschaften, Talenten, Kampf- und Sonderfertigkeiten. Insofern werden dem einen bestimmte Proben oder Kämpfe leichter oder schwerer fallen. An verschiedenen Stellen der Abenteuer erscheinen für bestimmte Archetypen andere Texte, die speziell auf ihren Typ hin formuliert sind.
Aber grundsätzlich ist das Erlebnis gleich. In jedem Fall wird bei der Vergabe von Abenteuerpunkten nicht zwischen Archetypen unterschieden, denn jeder Spieler soll mit jedem Archetypen seiner Wahl die gleiche Chance besitzen, die Nr. 1 der Rangliste zu werden.

GamesSphere: Vor ein paar Jahren wurden browserbasierte Spiele noch ziemlich belächelt. Wie schätzt Du die Entwicklung und die weiteren Erfolgschancen für diese Spielebranche ein?

Stefan: Lacht Die Frage höre ich nicht zum ersten mal. Mitte der 80er Jahre haben mich die Leute angeschaut und mich gefragt: Was machst du da eigentlich? Computerspiele programmieren? Hat das Aussichten auf Erfolg?
Mitte der 90er Jahre, nachdem ich Maschinenbau nicht nur studiert, sondern auch noch promoviert habe, bin ich in die Spieleindustrie und viele haben mich gefragt, ob das ein weiser Entschluss war. Ich habe es bis heute nicht bereut, weil es mir einfach noch immer Spaß macht.
2002/2003 haben uns viele aus der Branche(!) belächelt, als wir die Handyspiele produzierten. "Igitt. Handyspiele", hieß es da. Wir haben dann weit über eine halbe Million DSA-Handyspiele verkauft, in über 30 Ländern und in fünf Sprachen.
Ich denke, die Spieleindustrie lächelt schon seit längerem nicht mehr über Browserspiele. Im Gegenteil: Die Branche nimmt das sehr wohl wahr und auch ernst. Es ist ein anderes Geschäftsmodell mit wesentlich mehr Flexibilität und neuen Herausforderungen. Browserspiele sind nicht mehr wegzudenken. So einfach ist das.


GamesSphere: Inwieweit haben die Geschehnisse im Browserspiel mit dem PC-Titel zu tun und wird es in Drakensang Referenzen auf Verschörwung in Ferdok geben?

Stefan: Die Geschehnisse im Browserspiel haben sogar sehr viel mit dem PC-Spiel zu tun.
Ich möchte hier nicht allzu viel verraten, um die Spannung nicht zu nehmen, aber es ist kein Geheimnis mehr, dass der Held des PC-Spielers von seinem Freund Ardo von Eberstamm nach Ferdok gerufen wird, weil dort einiges im Argen liegt: Eine mysteriöse Mordserie, ein regelrechter Handelskrieg, also offenbar eine Verschwörung in Ferdok.
Als der PC-Held in Ferdok eintrifft, ist Ardo jedoch tot. Ermordet!
Das Browserspiel "Verschwörung in Ferdok" setzt zeitlich vor den Ereignissen des PC-Spiels an und der Browser-Held lernt Ardo von Eberstamm noch lebend kennen und ist mit diesem in den nächtlichen Straßen von Ferdok unterwegs. Wer das PC-Spiel UND das Browserspiel gespielt hat, dem wird – wenn er sich mal zurücklehnt und sich ein paar Gedanken macht, klar werden, welch tragische Rolle der Browser-Held in Bezug auf Ardo spielte.
Mehr verrate ich an dieser Stelle aber nicht!
Gemeinsam mit Anton Weste habe ich auch den zweiten Teil "Todespfad" geschrieben. Von uns beiden sowie Mark Wachholz und Momo Evers stammt ja auch die Story zu Drakensang. Wir wissen also schon genau, was wir da schreiben, ohne wiederum PC-Spielern von Drakensang die Spannung zu nehmen. Im Gegenteil: Ich bin überzeugt, dass beides gemeinsam ein ganz besonderes Erlebnis bietet.

GamesSphere: Unterliegt ViF dem gleichen Regelwerk wie sein großer Bruder oder habt ihr die Regeln an die Gegebenheiten anpassen müssen?

Stefan: Die Browserspiele entsprechen dem aktuellen DSA-Regelwerk der 4. Edition. Dabei sind die Basisregeln berücksichtigt und darüber hinaus auch einige optionale Regeln.

GamesSphere: Inwiefern unterscheidet sich ViF von anderen Browser-RPGs, was sind die Besonderheiten?

Stefan: Die DSA-Browsergames unterscheiden sich relativ stark von anderen Browser-RPGs.
Wir bieten Spielern spannende Abenteuer mit dem ganz starken Schwerpunkt auf erlebnisreiche Geschichten, die von professionellen DSA-Autoren geschrieben wurden. Unser Geschäftsmodell ist auch eher klassisch.
Es gibt kein Abo und kein Ingame-Micro-Payment, sondern Spieler müssen ein Abenteuer käuflich erwerben, um es spielen zu können. "Verschwörung in Ferdok" bieten wir kostenlos zum Kennenlernen an.

GamesSphere: Waren bei der Entwicklung alte Hasen aus der Browserszene involviert oder seid Ihr an die Sache eher unbedarft herangegangen?

Stefan: "Alte Hasen aus der Browserszene" waren daran nicht beteiligt. Das heißt aber nicht, dass wir völlig unbedarft an die Entwicklung herangegangen sind.
Unsere Mitarbeiter programmieren seit vielen, vielen Jahren Computerspiele für unterschiedliche Plattformen, sowie MMOs und auch ganz allgemein Web-Applikationen.

GamesSphere: Herzlichen Dank für Deine Zeit und viel Glück, für DSA im Allgemeinen und natürlich für Verschwörung in Ferdok im besonderen!

Stefan: Danke sehr.



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